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UNZEITGEMÄSS
Thomas Ranft / Schrift-Zeichnungen

Ausstellung vom 03/03 bis 02/04/2017
Geöffnet Freitag bis Sonntag, 15 bis 18 Uhr

Eröffnung: Donnerstag, 02. März, 19 Uhr
Thomas Ranft im Gespräch mit Tanja Wetzel

Finissage: Sonntag, 02. April, 11 Uhr
Thomas Ranft - Lesung: Galerie Oben und „Clara Mosch“ – Freiraum, Experiment, Gemeinschaft am Rande des Erzgebirges in Zeiten der DDR
Anschließend Gespräch mit Friedrich Block und Tanja Wetzel

 

Im Rahmen der Ausstellungsfolge UNZEITGEMÄSS präsentiert Thomas Ranft im Kunsttempel Schrift-Zeichnungen, die er gut zwanzig Jahre nach der Maueröffnung als fiktive Briefe an die Künstlerfreunde der Gruppe «Clara Mosch» in Zeichnungen verfasst hat. Sie sind mit links geschrieben und je nach Adressaten unterschiedlich figuriert. Mal verdichten sie sich und werden zu dynamischen Formationen oder Blöcken, mal verstreuen oder überkreuzen sie sich. Sie organisieren sich jedoch alle – mehr oder weniger einheitlich – zwischen Ansprache, Dialog oder bloßer Sendung.

«Clara Mosch» ist ein fiktiver Frauenname, zu dem sich die Initialen der Namen einer Handvoll Künstler addieren, die am 30. Mai 1977 am Stadtrand von Karl-Marx-Stadt eine Produzenten-Galerie gründeten. «Clara Mosch» wurde für fünf Jahre zum wirksamen Schutzschild gegen die üblichen Repressalien der DDR gegenüber ihren nonkonformen Künstlern. Dahinter konnte in Ausstellungen und gemeinsamen Veranstaltungen agiert werden, aus reiner Lust am künstlerischen Ausdruck. Thomas Ranft war Teil und wichtiger Initiator der Gruppe.
Mit seinen Schrift-Zeichnungen bezeugte er auch seine langjährige Freundschaft mit Carlfriedrich Claus, der ebenfalls Mitglied von «Clara Mosch» war. Beide experimentieren mit Schrift als bildnerischem Mittel und wollen in organischer Verschlingung gleichzeitig sagen und zeigen.

Ranfts Zeichnungen sind Text und Bild zugleich. Sie stellen sich widerständig einem bloßen Lesen in den Weg und verweisen den Betrachter konstant auf den Eigenwert des Bildnerischen. Der Bildraum, die Linie, die Spur, die Spannungsmomente von schwarz-weiß, flüchtig-gesetzt, verdichtet-zerfasert bieten sich der Lektüre ebenso an wie die Semantik einzelner Worte oder Passagen, die sich beim genauen Betrachten entziffern lassen. Diese Zeichnungen bespielen die ganze Bandbreite von Intimität und Distanz, nah und fern, und sie bezeugen damit auch die besondere Erfahrung einer nur scheinbar antiquierten Form von Korrespondenz.

 

Thomas Ranft, geboren in Königssee in Thüringen, lebt und arbeitet heute in Amtsberg bei Chemnitz. Er studierte an der Hochschule für Grafik und Buchdruck in Leipzig und erhielt bereits im Jahr 1976 den Grafikpreis der Europäischen Grafikbiennale in Mulhouse. Ranft war Vorstandsmitglied der Galerie Oben und Gründungsmitglied der Produzentengalerie und Künstlergruppe „Clara Mosch“. 1991 gestaltete er mit Ernst Jandl die Publikation „Der beschriftete Sessel“. Ranft wurde 2003 mit dem Hans Theo Richter-Preis der Sächsischen Akademie der Künste ausgezeichnet und gründete 2009 die Neue Deutsche Grafikgemeinschaft.

Ausstellungen (Auswahl):
1997 Lindenau-museum Altenburg (Kat.); Deutsches Historischen Museum Berlin / 1999 Kunstsammlungen Weimar (Kat.) / 2000 Goetheinstitut New York / 2003 neue Nationalgalerie, Berlin (Kat.) / 2005 Kunstsammlungen Chemnitz (Kat.) / 2008 Städtische Galerie Dresden (Künstlerbuch) / 2009 Kunstsammlungen Chemnitz; Grey Art Gallery, New York (Kat.); Kunsthalle Schweinfurt (Kat.) / 2010 Kunstsammlungen Chemnitz (Kat.) / 2013 Hölderlinturm Tübingen (Kat.) / 2014 Leonhardi-museum Dresden (Kat.); Museum für aktuelle Kunst – Sammlung Hurrle, Durbach (Kat.) / 2015 Kunstsammlungen Chemnitz (Kat.)

 

 


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